Essensreste für den Hund – das solltest du beachten

Essensreste im Hundenapf erlangen in letzter Zeit wieder mehr Relevanz, weil Nachhaltigkeit und Wertschätzung von Nahrungsmitteln aktuell wieder wichtiger werden. Lange Zeit galt jedoch: der Hund darf keine Essensreste haben, das ist schlecht für ihn.
Essensreste für den Hund

Tatsächlich konnte Fertigfutter vor rund 80 Jahren nur deshalb etabliert werden, weil man den Menschen klargemacht hat, dass Essensreste für Hunde gefährlich wären. Dabei spielten wirtschaftliche Interessen der Futterhersteller natürlich keine Rolle, neeeeeeiiiin 😉

Strassenhunde und Pizzahunde

Die Strassenhunde weltweit strafen diese Aussagen Lügen. Denn – sie fressen vorrangig den Müll aus Essensresten der Menschen und es scheint ihnen damit recht gut zu gehen. Hast du schon von den Pizzahunden gehört? Hierbei handelte es sich um freilebende Hunde in der italienischen Toskana, die von Tierschützern regelmäßig mit Hausmannskost wie Pizza und Nudeln versorgt wurden und dieses Angebot gerne annahmen. Günther Bloch hat diese Hundegruppe studiert und ein Buch zu seiner Studie der “Pizzahunde” veröffentlicht.

Mehr dazu, wieso weshalb warum es gar nicht so schlecht ist, dem Hund Essensreste zu geben, habe ich schon in diesem Beitrag erläutert. Hier soll es nun um die praktische Umsetzung gehen.

Abam mit Essensresten

Vielleicht hast du schon von der Fütterungsmethode Abam gehört, die der Tierarzt Dr. Rückert ins Leben gerufen hat. Hierbei bekommt der Hund Fertigfutter kombiniert mit frischen Nahrungsmitteln. Sehr praktisch ist es natürlich, wenn man das Fertigfutter mit Essensresten aufpeppen kann. Zudem gilt es als recht gesunde Fütterungsmethode, weil der Hund einerseits über das Fertigfutter gut mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird, andererseits aber auch viele Nährstoffe in ihrem “natürlichen Verbund” bekommt. Die meisten Hunde lieben es!

Gewürze und Co

Sicher hast du auch schon gehört oder gelesen, dass man keine Essensreste geben dürfte, welche Gewürze oder Komponenten wie Zwiebeln oder Chilli enthalten. Salz wäre auch sehr gefährlich für Hunde.

Zunächst einmal kann man davon ausgehen, dass Hunde schon immer Reste von menschlichem Essen bekommen haben. Da ist es wohl mehr als wahrscheinlich, dass sie schon immer auch Komponenten wie Gewürze wie Salz, Zwiebeln, Knoblauch etc. im Napf hatten. Wäre das so hochgefährlich, hätten die Menschen das bestimmt schnell gemerkt. Ein Hund, der beispielsweise den Hof bewacht hat, war für den Bauern früher recht wertvoll. Sicherlich hätte er ihn nicht sehenden Auges vergiftet.

Salz

Zudem haben auch Hunde beispielsweise einen Bedarf für Salz. Und in einem wie üblich gesalzenen Essen ist ja auch nur eine kleine Menge Salz enthalten, die sich auf eine größere Menge Essen verteilt. Wovon der Hund wiederum ja auch nur eine recht kleine Menge bekommt.

Essensreste können auch Suppe sein

Nehmen wir als Beispiel eine Gemüsesuppe. In 2 Liter Gemüsesuppe befinden sich wenn es hochkommt, 2 TL Salz. Das macht pro 100 ml 0,5 g Salz. 100 ml entsprechen etwa der Menge einer Suppenkelle.

Laut Meyer Zentek (Standartwerk Ernährung des Hundes) haben Hunde eine sehr hohe Toleranz für Salz. Mengen bis zu 2,5 g pro Kg Körpergewicht wurden in Untersuchungen gut vertragen. Das bedeutet, ein Hund, der 20 kg wiegt, dürfte mit bis zu 50 g zurechtkommen, was natürlich eine völlig utopische Menge ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Hund eine Ration fressen würde, die 50 g Salz enthält.

Jedenfalls dürfte es ausgesprochen unproblematisch sein, wenn der Hund zu seinem Trockenfutter eine Kelle Suppe bekommt, die 0,5 g Salz enthält.

Zwiebeln

Da die Zwiebel eine beliebte (und gesunde) Zutat ist, die praktisch in jeder Suppe verwendet wird, wird diese Kelle Suppe auch einen gewissen Anteil Zwiebeln enthalten.

Es heißt von Zwiebeln, sie könnten Hunde vergiften. Sicher hast du auch schon den Spruch gehört “Die Menge macht das Gift”. Das trifft auf sehr viele Dinge zu (nicht auf alle), bei der Zwiebel ist es ebenfalls so.

Zu den Zwiebelgewächsen zählen auch Knoblauch, Lauchgewächse, sowie auch Bärlauch oder Schalotten. Die enthaltenen Toxine werden durch Erhitzung, Trocknung oder Verarbeitung nicht zerstört, jedoch durch Erhitzung abgemildert und können zu einer Zerstörung der roten Blutkörperchen führen (hämolytische Anämie).

Als toxische Dosis gelten:

  • Knoblauch: 5 g / kg KG
  • Zwiebeln: 5 g / Kg KG

Das heißt, für den Hund mit 20 kg wären 100 g Zwiebeln oder Knoblauch giftig. Aber auch dies ist doch eine utopische Menge, wenn wir von Essensresten sprechen. Nehmen wir wieder unser Beispiel mit der Suppe. In 2 Liter Suppe wird üblicherweise eine Zwiebel (Mittel 80 g) verarbeitet. Das heißt, 80 g Zwiebel verteilen sich auf 2000 ml, was pro 100 ml Suppenkelle etwa 4 g entspricht.

Kräuter

Kräuter werden dem Essen zugefügt, weil sie einerseits den Geschmack verbessern können, aber auch, weil sie verschiedene positive Wirkweisen auf die Verdauung und Verträglichkeit haben können. Das trifft ebenso auf unsere Hunde zu und die von uns verwendeten üblichen Küchenkräuter stellen für den Hund überhaupt kein Problem dar.

Die meisten Essesnreste sind für Hunde unproblematisch

Solltest du irgendwelche sehr exotischen Kräuter oder auch Gewürze für dein Essen nutzen, empfehle ich dir, da einfach mal kurz zu recherchieren (Google fragen). In der Regel gibt es aber auch da kaum Probleme, da es in Ländern wie beispielsweise Thailand sogar noch viel üblicher ist, den Hund mit Resten zu versorgen. Die Hunde dort scheinen damit kein Problem zu haben, im Gegenteil. Ich habe von einem Kontakt in Thailand sogar schon gehört, dass die Hunde Futter aus ungewürzten Nahrungsmitteln ablehnen.

Chili und Pfeffer

Im schon erwähnten Thailand bekommen die Hunde Futter, in dem auch Chili verarbeitet wurde. Sie fressen und mögen es. Sollte das Futter deinem Hund zu scharf sein, wird er es nicht fressen. Und natürlich kann Chili, vor allem wenn man nicht daran gewöhnt ist, beispielsweise Durchfall verursachen. Wenn du selber viel Chili isst, probiere doch einfach aus, wie dein Hund eine kleine Menge an Tischresten, die Chili enthalten, verträgt oder ob er das überhaupt frisst.

Es ist allgemein bekannt, dass Hunde eine ausgesprochen gute Nase haben. Natürlich entscheiden sie vor allem über den Geruch, ob sie ein Futter fressen oder nicht. Wenn der Hund Chili nicht mag bzw. ablehnt, wird er das schon vorher über den Geruch identifizieren und das Futter einfach nicht fressen. Per se schädlich ist Chili für Hunde jedenfalls nicht. Das gleiche trifft auf Pfeffer zu, der aber ja sowieso nur gemäßigt in unseren Speisen enthalten ist.

Fetthaltige Speisen

Sagen wir es kurz und knapp: Wenn du dich selber von einer Vielzahl sehr fetthaltiger Speisen ernährst ist das nicht gesund! Dann ist es selbstverständlich auch nicht gesund, deinen Hund mit diesen Essensresten zu füttern. Meist trifft das zu, wenn man sich von sehr viel Fast Food ernährt. Wenn das bei dir der Fall ist, würde ich dir raten, einfach mal einen Kochkurs zu machen oder dir ein gutes Kochbuch zu kaufen, das dich mit Rezepten versorgt, die einer gesunden und ausgewogenen Ernährung zuträglich sind.

Es ist überhaupt nicht schwer, sich halbwegs gesund und ausgewogen zu ernähren. Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) hat 10 Regeln für eine vollwertige Ernährung aufgestellt. Wer sich daran orientiert, kann eigentlich nicht viel falsch machen.

Wer sich selber einigermaßen gesund ernährt, muss sich auch keine Sorgen machen, wenn der Hund Tischreste bekommt.

Individuelle Parameter des individuellen Hundes

Natürlich solltest du bei der Verfütterung von Essensresten auch immer deinen individuellen Hund im Auge haben. Verträgt dein Hund beispielsweise fetthaltige Speisen nicht mehr gut, weil er erkrankt ist oder weil er alt ist, solltest du ihm prinzipiell keine fetthaltigen Essensreste geben.

Hat dein Hund eine Erkrankung wie Leishmaniose, bei der aufgrund der Medikamentengabe auf die Purinzufuhr geachtet werden muss (hier gibt es ein gutes Buch dazu), solltest du ihm auch keine Speisen geben, die einen hohen Anteil Purine enthalten.

Bei vielen Erkrankungen spielen auch Nahrungsmittel eine Rolle. Du solltest dich daher im Falle einer Erkrankung immer schlau machen, was nun für deinen Hund ok ist und was nicht.

Mengenangaben

Natürlich ist es schwierig zu sagen, welche Mengen dein Hund konkret bekommen sollte oder kann. Die individuelle Verträglichkeit spielt hierbei natürlich immer eine Rolle. Wenn du deinem Hund Nahrungsmittel gibst, die er vorher noch nie gefressen hat, ist es empfehlenswert, die Verträglichkeit erst einmal mit einer kleinen Menge zu testen. Auch wenn dein Hund bisher ausschließlich Fertigfutter bekommen hat, solltest du mit kleinen Mengen und “unverdächtigen” Nahrungsmitteln starten (beispielsweise kleine Mengen Kartoffeln, Reis oder gekochtes Gemüse).

Essesnreste kann man auch mit anderen frsichen Komponenten kombinieren

Integrierst du die Essensreste in eine Frischfütterung, kannst du dich an den allgemeinen Vorgaben orientieren, wie man Rationen gestalten kann. Das habe ich HIER schon beschrieben.

Gibst du die Reste zum Fertigfutter, kannst du das Fertigfutter ruhig ein wenig reduzieren. Bekommt dein Hund als Beispiel üblicherweise am Tag 250 g Trockenfutter, dürfen es auch nur 200 g sein. Dann kannst du zu den 100 g Trockenfutter am Vormittag beispielsweise 1-2 Soßenkellen Suppe zugeben. Eine Soßenkelle entspricht etwa 25 g. Mit der Zeit wirst du aber auch selber ein Gefühl dafür entwickeln, welche Mengen du wovon zum Futter geben kannst. Noch mehr Vorschläge, wie du Fertigfutter aufpeppen kannst, findest du HIER.

Wie es grundsätzlich mit der Giftigkeit einiger Nahrungsmittel aussieht, kannst du HIER nachlesen.

Hast du noch weitere Fragen zur Fütterung von Essensresten? Dann kannst du diese gerne weiter unten in den Kommentaren stellen.

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Über Anke Jobi 146 Artikel
Anke Jobi, 1967 geboren, wohnt im oberbergischen Land in der Nähe von Köln. Sie ist zertifizierte Ernährungsberaterin für Hunde, Buchautorin (Clean Feeding) und schreibt als freie Autorin für diverse Printmagazine.

2 Kommentare

  1. liebe Anke, vielen Dank für interssanten Ansätze. Mein alter Hund hat auch immer wieder was Ungewürztes bekommen. Die letzten Jahre habe ich ihm jeden Tag Kartoffel zum Futter gekocht.
    Er ist fast 18 Jahre alt geworden. Jetzt ist es ein bisschen anders, ich habe einen Notfallhund mit Epilepsie aufgenommen. Mit dem Add-On Medikement ging es ein paar Monate gut, plötzlich wars vorbei. Im Nachhinein hiess es mit der Gabe von Kaliumbromid darf nichts am Futter geändert werden, weil es in vielen Lebensmitteln sozusagen verstecktes Chlorid gibt, was wiederum das Medikament stark beeinflusst. Auch wenn es bequem ist, bin ich kein Trockenfutter Fan. Ich habe jetzt ein Nassfutter von Nehls, das ich jeden Tag mit frischem Reis, Karotte, manchmal Fenchel ergänze.

    • Hallo liebe Justine,

      ja, wenn der Hund wegen einer Erkrankung regelmäßig ein Medikament bekommt, kann es auch vorkommen, dass Nahrungsmittel sich auf die Wirkung auswirken. Da empfiehlt es sich, die Fütterung gleichbleibend zu gestalten. Wenn man gewissenhaft vorgeht, lässt sich das aber auch mit einer Frischfütterung bewerkstelligen. Du solltest aber wissen, dass das Nehls Nassfutter nicht bedarfsdeckend ist, zumindest nicht wenn man sich die Deklaration im Internet anschaut. Es ist beispielsweise keine Jodquelle auszumachen und sie schreiben ja ausdrücklich, dass auch keine synthetischen Nährstoffe zugesetzt wurden. Die verwendeten Öle sind sehr Omega-6-lastig, also wenig essentielle Omega-3-Fettsäuren enthalten …

      Liebe Grüße, Anke

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